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Das Skigebiet Bürgeralm
Alpiner Skilauf im heutigen Sinn mit seinen leistungsfähigen Aufstiegshilfen war lange Zeit unbekannt. Es galt, mit eigener Kraft auf den Berg zu gelangen, das Abfahren ins Tal war meist der Höhepunkt des Skivergnügens eines Tages.
Der Ausbau der Bürgeralmabfahrt nach Aflenz war schon längere Zeit ein Wunsch der Aflenzer Wintersportverantwortlichen.
1928 begannen die Bauarbeiten, gingen jedoch schleppend voran. Der Ausbau der Abfahrt sollte das Angebot des Skigebietes verbessern helfen.
1934 war die Arbeitslosigkeit allgemein sehr groß. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage waren allerdings Kosten für den Ausbau der rund acht Kilometer langen Abfahrt kaum aufzubringen. Die Gemeinde Aflenz Kurort beschloss daher im August 1934, bei der Industriellen Bezirkskommission in Graz um die Gewährung eines Zuschusses für dieses Vorhaben im Rahmen der Produktiven Arbeitslosenfürsorge anzusuchen.
Die Industrielle Bezirkskommission gewährte die gewünschte Unterstützung für den noch fehlenden Teil der Abfahrtsstrecke, der rund 2,4 Kilometer lang war. Beim Abfahrtsausbau fanden von Anfang September bis Mitte Dezember 1934 durchschnittlich rund 20 Arbeitslose eine Beschäftigung. Trotz enormer Schwierigkeiten durch den harten Felsen und den damit notwendigen Sprengungen war die Abfahrtsstrecke zu Beginn der Wintersaison 1934/1935 fertig gestellt.

 

Die Investitionstätigkeit im Skigebiet Aflenzer Bürgeralm setzte in der Nachkriegszeit ziemlich bald wieder ein. Nach rund einjähriger Bauzeit ging am 24. August 1947 die elektrische Seilbahn vom Bürgergraben auf die Bürgeralm in Betrieb. Die erste Probefahrt dauerte 53 Minuten. Im alpinen Winter kündigte sich eine neue Ära an.
Die Errichtung eines Sesselliftes auf die Bürgeralm war in den Jahren des Wiederaufbaues begleitet. Erst nach Überwindung von beträchtlichen finanziellen Schwierigkeiten begann im Oktober 1950 der Bau der ersten Liftanlage in der Steiermark.

Die Eröffnung des Sesselliftes auf Bürgeralm wurde am 18. März 1954 in Gegenwart von Landeshauptmann Josef Krainer sen. vorgenommen. Diese Anlage stand bis 1976 in Betrieb. Mit dieser Sesselbahn konnten stündlich nur rund 250 Personen auf die Bürgeralm befördert werden.
Zwischen den einzelnen aufstrebenden Skigebieten herrschte Wetteifern um die Publikumsgunst. 1969 wurden die von der Bürgerlichen Forst- und Almgemeinschaft erbauten zwei neuen Schlepplifte auf der Bürgeralm eröffnet. Anfang Dezember 1975 ging der sechste Schlepplift des Skigebietes Bürgeralm in Betrieb.

Die in der Rekordbauzeit von nur vier Monaten errichtete neue Doppelsesselbahn auf die Bürgeralm ging 1976 in Betrieb. Die Baukosten betrugen damals rund 15 Mio Schilling (rund 1,1 Mio EUR).
Mit dem Bau der Dreiersesselbahn von der Bürgeralm auf die Schönleiten konnte das Angebot im Jahr 1983 weiter ausgebaut werden.
(Entnommen aus der Chronik Aflenz, Verleger Dr. Josef Riegler, A-8071 Hausmannstätten)


Historisches Prospekt von Aflenz

Das Wandergebiet Bürgeralm
Der Ausbau der Südbahnlinie über den Semmering erleichterte manchem städtischen Bergfreund das Erreichen des Hochschwabgebietes mit der Bürgeralm. Immer mehr Menschen erfuhren von der Schönheit der Bergwelt rund um Aflenz und lernten aus die klimatischen Vorzüge dieser Gegend kennen. Viele Gäste kamen aus Wien und Graz.
Parallel zum Anreiz,  den Raum Aflenz als Ausgangspunkt für eine Alm- und Bergwanderung zu nutzen, richtete sich ab dem späten 19. Jahrhundert in zunehmenden Maße aus das Interesse der Ärzteschaft auf die Heilfaktoren Höhenluft, Sonne und mildes Klima des Aflenzertales und der Bürgeralm.

Medizinalrat Dr. A. Ritter von Kutschera-Aichbergen war Chirurg am Krankenhaus in Bruck an der Mur und stellte systematische Beobachtungen an,  studierte die klimatischen Charakteristika anderer schon berühmter Kurorte für Lungenkranke und verglich sie mit Aflenz. Das Ergebnis der Studie veranlasste ihn, Aflenz mit dem berühmten Schweizer Kurort Davos gleichzusetzen. „Es ist die Klarheit, die reine, aseptische Beschaffenheit der Luft, welche diesen günstigen Einfluss auf die erkrankte Lunge ausübt“. Dieser Hinweis auf Davos brachte in Folge vermehrt Touristen nach Aflenz. Immer wieder erschienen Artikel über Wanderrouten und Beschreibungen der an diesen Routen gelegenen Orte. Die Tagespost brachte im Juni 1890 einen Artikel über das „steirische Davos“. Bald folgten auch die ersten Broschüren über Aflenz und Umgebung.

 

Die Bürgeralm erwies sich als ein von vielen Sommerfrischlern und Wanderern geschätztes Gebiet. Sie war von Aflenz aus verhältnismäßig leicht zu erreichen und bot sich als herrliches Wandergebiet an. Johann Pertl betrieb auf der Bürgeralm ein Gasthaus, für das ihm 1909 auch die Konzession zum Ausschank geistiger Getränke erteilt wurde.

Der aufblühende Sommertourismus zeigte auch manche weniger erfreuliche Erscheinung. Zahlreiche Wanderer zogen über die Bürgeralm und fanden an den Alpenblumen derartigen Gefallen, dass sie diese pflückten und mitnahmen. 1901 sah sich der Aflenzer Gemeinderat veranlasst, auf der Bürgeralm Tafeln aufzustellen, die das Sammeln von Alpenblumen als verboten bekanntgaben. Um die drohende Ausrottung dieser Pflanzen zu verhindern, sollten auch die Kommunen Aflenz und Jauring auf der Bürgeralm Warntafeln anbringen und eine entsprechende Strafe androhen, um den Almcharakter zu bewahren.
(Entnommen aus der Chronik Aflenz, Verleger Dr. Josef Riegler, A-8071 Hausmannstätten)